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Wurzelspitzenresektion - Apektomie

Eine Wurzelkappung (= Apektomie) wird erforderlich, wenn Bakterien aus dem Wurzelkanal über die Wurzelspitze in das umgebende Knochengewebe gelangen. Dort verursachen sie eine nicht schmerzhafte (= chronische) oder schmerzhafte (= akute) Entzündung.

 


In Lokalanästhesie wird die Wurzelspitze (= Apex) um ca. 3 bis 5 mm gekürzt und die Entzündung beseitigt. Voraussetzung: eine dichte Wurzelfüllung an der Stelle, an der gekürzt wird. Problem: die Entzündung an der Wurzelspitze, die überhaupt eine Resektion erforderlich macht, resultiert oft aus einer undichten Wurzelfüllung. Die Erfolgschance für eine Resektion ist daher von vornherein stark eingeschränkt, da nicht sicher ist, dass die Wurzelfüllung ausgerechnet am Schnittpunkt wirklich dicht ist. Trotzdem ist diese Methode die Kassenlösung.

Kurzinfo

Was passiert bei einer Wurzelspitzenresektion?

  • Die Wurzelspitze eines Zahnes wird mit einer Fräse um 3mm gekürzt und entzündetes Gewebe entfernt
  • Voraussetzung für Erfolg: Die Wurzel ist dicht gefüllt
  • Erfolgschance ohne Mikroskop: 70%
Um die Erfolgschance deutlich zu erhöhen, gibt es zwei Wege, Sie ahnen es, die die Kassenversorgung nicht kennt:

1. Erneuerung (= Revision) der Wurzelfüllung
2. Mikrochirurgische Resektion mit retrogradem Verschluss

Stellen Sie sich vor, eine Fabrik an der Elbe produziert nützliche Waren, verschmutzt aber über ein Abwasserrohr den Fluss. Um dies zu ändern, hätte man früher die Fabrik abgerissen. Heute braucht man aber die Arbeitsplätze. Nun kommt doch niemand auf die Idee, das Abwasserproblem zu lösen, indem er das Rohr einfach auf halbem Wege durchtrennt! Was wäre das Resultat? Die Abwässer würden auch noch die Vier- und Marschlande verschmutzen, bevor sie in die Elbe liefen. Um die Fabrik zu erhalten und die Einleitung der Abwässer zu stoppen, gibt es nur zwei sinnvolle Lösungen: a) die Fabrik stellt ihre Produktion um, b) das Rohr wird saniert und die Abwässer fachgerecht entsorgt.

Genau dies geschieht bei den o. g. Lösungen.

1. Erneuerung der Wurzelfüllung (= „Umstellung der Produktion“):


Die alte undichte Wurzelfüllung wird mit Spezialinstrumenten entfernt und durch eine dichte, genau bis zur Wurzelspitze reichende Füllung ersetzt. Die Bakterienproduktion im Zahn wird  gestoppt. Die Entzündung im Kieferknochen heilt aus. So kann u. U. sogar eine Operation vermieden werden. Dies setzt eine hohe Präzision voraus. Erreicht wird dies durch folgende Schritte:
  1. Das Mikroskop ermöglicht uns das Auffinden aller Kanäle und die Aufbereitung und Säuberung unter Sicht. Mit bloßem Auge ist dies nicht möglich. Nicht entdeckte Kanäle sind einer der Hauptgründe für fehlgeschlagene Wurzelbehandlungen.
  2. Mit einem speziellen Motor, der bereits bei geringstem Widerstand stoppt sowie speziellen Wurzelkanal-Feilen aus einer hoch biegsamen Nickel-Titan-Legierung, die helfen,  Instrumentenbruch zu verhindern, wird das Wurzelkanalsystem gesäubert und vergrößert.
  3. Spezielle Spüllösungen, die mittels Ultraschall aktiviert werden, reinigen und desinfizieren das Kanalsystem zusätzlich.
  4. Ein elektronisches Längen-Messsystem der vierten Generation ermöglicht in Kombination mit digitalem Röntgen und metrischer Computer-Auswertung eine hoch genaue Längenbestimmung der Wurzel und damit eine exakt passende Wurzelfüllung.
  5. Eine spezielle Methode zur Anfertigung der Füllung (laterale Kondensation mit erwärmter Guttapercha) führt zu einer dreidimensional dichten Wurzelfüllung
  6. Der Verschluss des Loches im Zahn (= Zugangskavität) mittels im Zahn geklebter Aufbaufüllung (= dentinadhäsive direkte Restauration) ermöglicht den dauerhaft bakteriendichten Verschluss und kann im Falle einer notwendigen Überkronung als Unterfüllung belassen werden.
Nur die Gesamtheit dieser Maßnahmen führt zu einer wissenschaftlich nachgewiesenen Erfolgswahrscheinlichkeit von über 90 %! Die Kosten für diese aufwändige aber sichere Zahnrettung sind i. d. R. niedriger als eine Brücke oder ein Implantat, welche im Falle des Misserfolges der Kassenlösung den Zahn ersetzen müssen.



Abb. a bis e: Ablauf einer Wurzel-Revisionsbehandlung unter Mikroskopkontrolle.
a) Stiftkrone (Pfeil rot) mit abgebrochenem Wurzelinstrument (Pfeil gelb). Der Zahn schmerzte.
b) Wurzelkanalaufbereitung an dem Instrument vorbei unter Mikroskopkontrolle.
c) Längenmessung nach Entfernung des frakturierten Instruments.
d) Präzise Wurzelfüllung bis an die Wurzelspitze.
e) Zementierter Glasfaserstift mit Aufbau (Pfeil blau) (nicht röntgensichtbar!)

2. Mikrochirurgische Resektion


Mikrochirurgische retrograde Resektion
Abb.: Mikrochirurgische retrograde Resektion

Diese unterscheidet sich von der konventionellen Resektion deutlich.
Unter Mikroskopkontrolle wird nur ein sehr kleines Stück der Wurzel gekürzt. Quasi nur, um überhaupt einen Zugang in den Wurzelkanal zu bekommen. Mit einer Mikro-Ultraschall-Spitze wird nun der Kanal gereinigt und erweitert (a). Nach sorgfältigster Trocknung wird nun der Kanal auf 3 mm Länge dicht gefüllt (b + c blauer Pfeil). Die Erfolgswahrscheinlichkeit für diese Operationsmethode liegt in unserer Praxis bei 98 % (a + b). Die Kosten sind bei Weitem geringer als die Kosten für eine Brücke oder ein Implantat.

Zustand nach Mikro-WSRAbb.:

a) Zust. n. Mikro-WSR: blaue Pfeile: entzündeter Bereich, rote Pfeile: Krone, Wurzelfüllung und abgedichteter Bereich.

b) Zustand nach 6 Monaten: komplette Abheilung